Neukonstruktion in Klang und Licht (DNN)

Morphonic Lab III mit Arend Zwicker und Detlef Schweiger im Palais im Großen Garten

Schon von weitem konnte man sehen, das s etwas nicht stimmte: Das Palais im Großen Garten mit einem nächtlichen Blauschimmer, in den in den Büschen sitzen versteckt die barocken Geister. Innen: brummende Subbässe, hagere, angestrahlte Skulpturen, fragmentarisch beleuchtete Ornamente, Videoprojektionen, experimentelles Klangwerk zwischen Prozessor, Analogem und Theremin. Dazwischen: Leute, die neugierig drauf sind, wie bildende Künstler mit ihren Verknüpfungen von Klang- und Licht-Installationen einen barocken Saal zwischen Pracht, Verfall und Restaurierung mit computergestützer Kunst zu neuem Leben erwecken, wie in der Stadt, in der Brückenschläge ja immer so eine Sache sind, eben jene zur neuen Kunst gelingen, ohne das Alte zu ignorieren. Die beiden Künstler Arend Zwicker und Detlef Schweiger hatten bereitszum dritten Mal zu ihrem „Morphonic Lab“ geladen. Sie bilden mittlerweile zusammen mit der nun auch gleich anstehenden CYNETart eine innovative St6römung. Dabei bildeten die Leute von DS-X.org u.a. schon für microscope sessions in Hellerau und im Rundkino verantwortlich, am Sonnabend eine Art Schweißnaht, brachten ihre interaktive Landschaft „Audio Visuel Genetic“ von 11 bis 20 Uhr so zum Einsatz, wie man das von den von der Transmedia-Akademie propagierten „Enviroments“ schon kennt. Schließlich schritten die Dresdner Bands oder besser gesagt Künstlergruppen chen unst (mit Arend Zwicker, Percussion) und SARDH(mit Detlef Schweiger) zu Werke, Stupor aus München mussten kurzfristig absagen. Chen unst wie auch SARDH arbeiten nach Prinzipien der Improvisation, verfremden Stimmen, Instrumente und Objekte aller Art, Songstrukturen gibt es nicht, zumeist entstehen eher düstere Klanglandschaften, die dazugehörigen Bilder wurden über die Videoleinwand erst angefüttert und dann im Kopf selbstständig. Eine gewisse Konzentration ist dabei freilich erforderlich, auch bei den etwas mehr nach vorne gehenden SARDH, der nun schon seit 1987 bestehenden, ausgesprochen cediblen Dresdner Industrial-Formation. Den morphonschen, hochinteressanten Rausch vervollständigend bzw. adelnd, liefen in Nieschen und Nebenräumen einzelne Videokunstwerke, die allesamt das an diesem Ort allgegenwärtige Motiv des Fragmentarischen aufgriffen: Installationen und Projektionen von Frank Herrmann, Anett Gerlach, Petra Lorenz und Yasmin All aus Dresden, des Weiteren von Holger Wendland und Lutz Schwind aus Oelsnitz, von Hector Solari aus Uruguay, Ge-Suk Yeo aus Korea und Janusz Radtke aus Polen. Das auch vom Künstlerbund Dresden und dem „Staatliche Schlösser und Gärten Sachsen e. V.“ getragene und vom Kulturamt der Stadt geförderte Ereignis sollte hoch geschätzt werden und ist trotz des angenehmen Andrangs sicherlich ausbaufähig. Eine interaktive Laborsituation.

 

Norbert Seidel

DNN 25.10.2004

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