Hoffen auf eine Zukunft (DNN)

Das Morphonic Lab feierte sein zehntes Jahr

Seit genau zehn Jahren verwandelt eine Gruppe enthusiastischer und experimentierfreudiger Dresdner Künstler das Palais im Großen Garten in das Morphonic Lab und kehrt dabei den morbiden Charme des innen teilsanierten Gebäudes hervor – mit einem dunklen

Klanglabor, in dem sich Industrial- und Ambient-Ansätze von einst nit dem Output zeitgenössischen Schaffens und eben Laborierens in diesem Genre auf atmosphärisch spannende Weise vermengen, begleitet von Inslallationen und vor allem Videoprojektionsarbeiten stilistisch benachbarter Bildender Künstler. Dabei hat sich das „ML“ immer weiterentwickelt und trug in seinem Jubiläumsjahr vor allem den Charakter eines kleinen Festivals mit fünf ausgewählten Klangduos, die noch einmal eindrucksvoll die Bandbreite aufzeigten, mit der in dieser in Dresden einzigartigen Veranstaltung ambitioniert umgegangen wird.

Schon von Ferne, am Eingang des Großen Gartens, beindruckt die lichtglafische Installation „Hillumination“, die das Palais in ein trügerisches grünrotes Inferno-Leuchten taucht. Drinnen erwarten zum Jubiläum nach den lokalen Tüftlern von Furbies Marionettes

und Inade die für die größte Bewegung und Begeisterung sorgenden SchnAAk mit ihrem mathematisch permanent-gebrochenen

Mathrock, einer nahezu animalischen Rhythmusmaschinerie, frisch und unterhaltsam. Ganz klassischen und obendrein ausgesprochen herben Industriäl-Sound boten die Veteranen von Skrol aus Prag, bevor dann die vielgelobten Berliner Experimentisten Column

One eher vornehmlich mit etwas manipulierter Rückkoppelung und viel drögem Bierernst dem Jubiläum des ML in Sachen Charme nicht unbedingt Rechnung trugen, was dem gelungenen Abend insgesamt jedoch keinen ernsthaften Schaden zufügte.

Eine Massenveranstaltung war das ML nie - aber eben immer einzigartig und ambitioniert wie kaum eine andere vergleichbare Veranstaltung in Dresden – und hat schon allein deshalb auch immer sein ganz eigenes Publikum gefunden.

Traut man Gerüchten, steht die städtische Förderung fürs kommende Jahr allerdings auf der Kippe. Die ist an sich zwar relativ geringfügig, aber nichtsdestotrotz von existentieller Bedeutung für das ML. Da tröstet die auf Plakat und Flyern verkündete Kooperation

mit dem „Tonlagen“-Festival in Hellerau so geringfügig wie die Künstlergagen beim Morphonic Lab ausfallen – ohne das große ehrenamtliche Engagement zahlreicher Beteiligter gäbe es das ML ohnehin nicht. Hoffen wir das Beste für eine Fortsetzung.

Niklas Sommer

DNN 10.10.2011

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