Im morphonic lab. (SAX)

Festsaal-Opening im Palais Großer Garten

Es gibt aufregende Dinge, die einen beruhigen können. Zum Beispiel, dass man in dieser Stadt kulturell doch noch überrascht werden kann. Da neigt sich die Sanierung des Patais-Festsaals im Großen Garten ihrem Ende zu, und man hat schon die Eröffnung in barocker Pracht bei Kerzenschein, Streicher-Quartett und Champagner vor Augen – doch alles kommt ganz anders. Denn am 22. Dezember wird zur Eröffnung des Festsaals etwas Außergewöhnliches zu erleben sein: das »morphonic lab.«. Für sein Jahresprojekt hat sich dabei der Künstlerbund mit den Staatlichen Schlössern & Gärten zusammengetan und präsentiert an diesem Abend eine Performance aus Musik, Installation, Klang, Licht, Film und Gastronomie, die in dieser Konstellation mit Sicherheit einmalig ist. Im Zentrum des Abends steht ein gemeinsames Konzert der Dresdner Bands Sardh und chen unst. Beiden gemeinsam ist, dass sie - zum größten Teil – aus bildenden Künstlern bestehen, die den Klang als Erweiterung ihrer Kunst entdeckt haben. Die Ansätze beider Formationen sind jedoch gänzlich unterschiedlich. Während chen unst strukurell eher von Hard- und Noisecore sowie Industrial ausgehen, ist das Konzept von Sardh nach allen Seiten hin völlig offen, eher bestimmt von Improvisation und free music. Im »morphonic lab.« werden nun beide Bands ihre Sounds ineinandertreiben. Neues entstehen lassen, die Grenzen der Musik ausloten. Von hypnotischen Scores bis zu exzessiven Attacken ist da alles möglich. Ausgang: offen. Dabei wird das Restbarocke des Palais visuell bearbeitet durch screen paintings von M. R. Bolz, Andreas Schönherr wird wiederum zu Bildern der Sardh-Künstler Andreas Garn, Joe Lehmann und Detlef Schweiger strukturelle Videosequenzen entwerfen. Dias und 8mm-Filme kommen vom Millimeter-Team. Ohne Frage ist dieser Abend in seinerGesamtwirkungein ebenso großartiges wie mutiges Experiment. Mehr davon.

· Uwe Stuhrberg

· morphonic lab, 22. Dezember, 21 Uhr, Palais Großer Garten, Eintritt 15 Mark, ermäßigt 10 Mark. Demnächst erscheint auf Vinyl das neue Sardh-Album »Intar«

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