Morbide Kontraste (DNN)

Morphonic Lab feiert am Sonnabend sein Zehntes

Seit nun schon einer ganzen Dekade verwandelt das Morphonic Lab den pittoresk-barocken Parkbau des Palais im Großen Garten für einen langen Abend im Oktober in sein aufregendes Negativ: Morbide Atmosphäre, fulminante Licht- und Klangexperimente - manchmal extrem, immer kompromisslos, niemals belanglos und dafür detailverliebt gepflegt von seiner schwarz bewamsten Dresdner Retro -Avantgarde. Künstler, die derart leidenschaftlich in einen ganzen eigenen Kunstkosmos und dessen Präsentation verwickelt sind, sind keine Selbstverständlichkeit mehr - mit einem Augenzwinkern der einzige Aspekt, unter dem man über die zeitgenössische Relevanz der Veranstaltungsreihe streiten kann. Schließlich kooperiert das „ML“ mittlerweile auch unter dem Hellerauer „TonLagen“-Dach.

Zum Jubiläum des vom Künstlerbund und Schlösser und Gärten veranstalteten, ungewöhnlichen Spektakels gibt es neben zweifelsohne wieder aufregenden multimedialen Installationen in dem, um das und auf dem Palais im sogenannten Performance_Sektor fünf Duos („5x2“), die tatsächlich eine ganz erstaunliche Bandbreite experimentellen, zeitgenössischen Schwerklangs repräsentieren und für jeden, der Klangkunst in sagen wir mal - „anderen“ - Parametern für sich misst und offenen Ohres ist. Interessantes aufbieten werden. Das stilistische Wechselbad leiten die Dresdner Newcomer Furbies Marionetten ein, deren Circuit-Bending-Ingenieure Spielzeug-Roboter zu kakophonischen Noise-Kreaturen mutieren lassen. Die Leipziger Klang-Bildhauer Inade projizieren planetarische Umlaufbahnen und phantastische Geometrien in die Weiten ihres Ambient-Universums.

SchnAAk hingegen wirbeln ihren analog-geerdeten Freestyle-Core in ungeahnte elektrisierende Spannungsfelder, und die Prager Industrial-Urgesteine Skrol generieren brachiale Soundbilder unter dem dunklen Charme ihrer charismatischen Frontfrau.

Im Finale laborieren schließlich die Berliner Meister der experimentellen Medien-Performance Column One erwartungsgemäß unerwartet.

 

Farbenprächtige Eindrücke wie dieser namens „Hillumination“ zaubern Morphonic Lab am Sonnabend auf das Palais im Großen Garten.

Foto: Beetz

Niklas Sommer @ Sonnabend, Palais im Großen Garten,    19-24 Uhr. www .morphoniclab.de

DNN 8/9.10.2011

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